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Nachtwanderung durch den Dschungel aus Furcht vor dem Tod

Ganz ausser Atem kam uns Yohannes entgegen. Der Rotor hatte noch nicht aufgehört zu drehen, kam er zum Heli und erzählte Ben Skaggs, seine Frau würde sterben. 

Yohannes wohnt  hoch oben in den Bergen, von unserem Landeplatz Agara ca. 6 bis 8 Stunden entfernt in Oshka. Er ist mit einer Taschenlampe und einem Freund zusammen die Nacht durch den Urwald gelaufen, um uns um Hilfe zu bitten. Er erzählt weiter, das seine Frau seit vier Tagen in Wehen liegt. Die Fruchtblase wäre zu dieser Zeit geplatz gewesen. Nachdem wir unser Gepäck ausgeladen hatten, flogen wir mit Yohannes sofert zu seinem Heimatdorf. 

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Yohannes hat über viele Jahre schon bei der übersetztungsarbeit geholfen, damit die Bibel in die Sprache der Tarra übersetzt werden kann. Er spricht gut Englisch und ist uns allen ans Herz gewachsen. Ich kann mich noch erinnern als er vor neun Monaten mir freutig erzählt hatte, das seine Frau endlich schwanger ist. Wir machten schon Spaß über den Namen, den er seinem Sohn/Tochter geben würde.

Als wir nun in nur sieben Flugminuten in Oshka landeten, ging unser Doktor sofort zur Hütte, in der die Frau lag. Nach kurzer Untersuchung  stellte sich heraus, das das Baby schon im Geburstkanal ist. Yohannes sagte, seine Frau hätte seit zwei Tagen alle fünf Minuten wehen. Irgendetwas war nicht in Ordnung, das konnte sogar ich als Laie herausfinden. Wenn wir nicht sofort handelten, würde das Baby und sicher auch die Mutter sterben. Sofort luden wir Yohannes, seine Frau und den Doktor in den Heli. 

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Das Soddo Christian Hospital war nur 50 Minuten entfernt. Preis Sei Gott, konnte ich mit dem vorhandenen Sprit bis Soddo fliegen und die Frau dem Arzt übergeben. Sofort wurde die Frau in den OP gebracht und die Ärzte holten das Kind per Kaiserschnitt. 


Wir flogen zurück nach Oshka um unser Team abzuholen und die weiteren geplanten Flüge durchzuführen. In ein paar Tagen sollten wir zurück sein um nach der Familie zu sehen. Da Soddo auf unserer Flugroute lag, landeten wir und erkundigten uns nach dem Befinden der Frau, dem Kind und dem Mann. Ehre Sei Gott, der Frau ging es gut. Das Baby wurde lebend zur Welt gebracht, hatte aber so viel Schaden erlitten, das es kurz darauf starb. Wir konnten es alle nicht fassen, warum Gott es zugelassen hatte. Yohannes war der Einzige der gefasst war in dieser Situation. Er sagte, ich bin so froh, das wenigstens meine Frau überlebt hat. Ich habe Nächte in Angst verbracht, das ich meine Frau verliere. Wenn dies der Fall gewesen wäre, hätten mich die Leute im Dorf auch mit umgebracht. Ich bin Gott dankbar, das ihr mit dem Heli zur richtigen Zeit gekommen seid, um meiner Frau und mein Leben zu retten. Wir danken Helimission von Herzen für diese Möglichkeit.

Yohannes hat sein Kind Lucas Yohannes genannt. Er wusste nicht ob es ein Mädchen oder Junge war, aber er wollte es wenigstens benennen. Lucas Yohannes ist nun im Himmel und wartet dort auf seine Eltern. Es hat sogar einen Namen.

Vielen Dank, liebe Freunde der Helimission, das ihr solche Lebensrettenden Massnahmen ermöglicht. Diese Familie hat kein Geld, um diesen Flug zu bezahlen, trotzdem konnten zwei Menschenleben gerettet werden.

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Es war ein großes Wilkommen für die Frau, als wir sie vier Wochen später wieder zurück in ihr Dorf fliegen konnten. Da wir einen leeren Platz im Heli hatten, konnte sie mit.

Viele Frauen hatten sich auch versammelt, um mit ihr über den Verlust ihres Sohnes zu trauern.


© M u L Geiger 2017